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Kollagenosen

Kollagenosen sind Erkrankungen des Immunsystems, bei denen Immunzellen körpereigene Gewebe angreifen. Daher zählen Kollagenosen (der bekannteste Vertreter dieser Krankheitsgruppe ist der Lupus erythematodes) zu den sogenannten Autoimmunerkrankungen. Das Immunsystem wird in sehr komplexer Weise durch Hormone beeinflusst.

Seit Jahren umstritten ist die Frage, ob Lupus-Patientinnen östrogenhaltige Antikonzeptiva (Pille) oder nach den Wechseljahren eine Östrogenersatztherapie bekommen sollten. Neuere Untersuchungen zeigen, dass Lupus-Patientinnen ohne erhöhtes Thromboserisiko (keine Thrombosen in der Vorgeschichte, kein erhöhtes Thromboserisiko aufgrund laborchemischer Untersuchungen) die Pille nehmen können. Auf keinen Fall darf die Pille oder die Östrogenersatztherapie bei Patientinnen mit einem Antiphospholipidsyndrom eingesetzt werden.

Die Östrogenersatztherapie ist in den vergangenen Jahren in die Kritik gekommen, da das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle nach der aktuellen Studienlage zwar gering, aber messbar, erhöht ist. Aus diesem Grund wird eine routinehafte Östrogensubstitution von Frauen nach den Wechseljahren von den meisten Endokrinologen abgelehnt. Bei sehr ausgeprägten klimakterischen Beschwerden kann eine zeitlich befristete (eher Monate als Jahre) Östrogentherapie auch bei Lupus-Patientinnen durchgeführt werden, allerdings nur, wenn keine erhöhte Thrombosegefahr und kein erhöhtes Brustkrebsrisiko besteht.

Zu berücksichtigen bei der Entscheidung zu einer Östrogenersatztherapie ist, dass entzündlich-rheumatische Erkrankungen langfristig zu einer Erhöhung des Herz-Kreislauf-Risikos führen. Eine, wenn auch nur geringe, zusätzliche Anhebung dieses Risikos sollte daher in jedem Einzelfall genau überlegt werden.

Zwar wurde in den großen Studien zur Östrogensubstitution auch bestätigt, dass Östrogene der Osteoporose vorbeugen. Zur Behandlung der Osteoporose stehen uns heute jedoch etliche andere Medikamente zur Verfügung, insbesondere die Bisphosphonate, so dass wir nicht gezwungen sind, die kardiovaskulären Risiken der Östrogene in Kauf zu nehmen.